Eine Flasche Wasser, ein Kaffee zwischendurch und die Ressourcen dahinter

Eine Flasche Wasser, ein Kaffee zwischendurch und die Ressourcen dahinter

Wir essen zu Mittag ein Stück Steak, trinken danach einen Kaffee und kaufen uns auf dem Rückweg eine Flasche Wasser. Dabei sehen wir ein Super-Sonderangebot im Schaufenster und nehmen noch schnell ein T-Shirt mit.

So oder so könnte es auch dir gehen?

Dann ist ein Blick hinter die Kulissen sicher ganz interessant. Aus aktuellem Anlass werfen wir bei den oben genannten Tätigkeiten mal einen Blick auf die dahinter versteckten Ressourcen.

Denn ab Morgen leben wir auf Pump:

Am 01. August 2018 übersteigt die Menge an menschlicher Nachfrage an Ressourcen die Kapazität unserer Erde für dieses Jahr. Es ist Earth-Overshoot-Day und das ist nicht unbedingt ein Tag zum Feiern. Eher einer zum Innehalten und nachdenklich werden. Ein Tag, um sich selbst an die Nase zu packen und zu fragen: Welche Ressourcen nehme ich täglich ganz selbstverständlich in Anspruch, obwohl sie vielleicht knapp ist?

In unserem Beispiel nehmen wir dabei die verwendeten Ressourcen mal genauer unter die Lupe. Dabei gäbe es für jedes Beispiel noch viel mehr Aspekte zu beachten, wir verschaffen uns hier einfach einen kleinen Überblick:

 1. Die morgendliche Tasse Kaffee

Unsere Tasse Kaffee am Morgen verbraucht Wasser. Wasser ist eine knappe Ressource. In einer Tasse Kaffee sind ungefähr 100 Milliliter Wasser. Das ist nicht das Problem.

  • Die Ressource Wasser wird knapp, wenn man an die 140 Liter Wasser denkt, die für den Anbau von Kaffeebohnen für eine Tasse (!) gebraucht wurden.
  • Ein Kilogramm Röstkaffee benötigt hochgerechnet 22.500 Liter Wasser.
  • Dazu kommt noch die Ressource Öl für den Transport dazu, genau wie die Umweltverschmutzung, die durch die Treibhausgase beim Transport entstehen.

Die Alternative wäre: Wasser trinken. Wer aber nicht auf seine Tasse Kaffee verzichten möchte (ich übrigens auch nicht), sollte genau das tun: Eine Tasse Kaffee trinken. Und zwar so richtig. Genießen. Mit Augen zu und riechen, wie der duftet und achtsam trinken. Und nicht zig Liter Kaffee am Tag trinken.

 

 

 

 2. Die schnell gekaufte Wasserflasche

Wir bleiben bei den Getränken und auch bei der Ressource Wasser.

Bei den derzeitigen Sommertemperaturen muss man viel trinken. Vor allem unterwegs greift man schnell zu einer PET-Flasche Wasser. Kostet ja nicht viel. Zumindest nicht uns. Die Kosten für die Umwelt unterschätzen wir dabei aber gern. Grob aufgedröselt brauchen wir für eine Flasche Wasser folgende Ressourcen:

  • Für das Plastik wird Rohöl gebraucht. Für eine 1 Liter Flasche werden ungefähr zwei Liter Rohöl benötigt.
  • Durch die Ölbohrungen werden Lebensräume zerstört und bei der Produktion Giftstoffe in die Luft gepustet.
  • Es gibt auch ölfreie Plastikflaschen aus Bioplastik, die aus Mais oder Rohrzucker hergestellt werden und kompostierbar sind. Auf den ersten Blick besser, auf den zweiten auch nicht besonders gut: Bei der Herstellung werden große Mengen an Wasser und Anbauflächen gebraucht.
  • Bis die Flasche bei dir landet, hat sie mehr als einen Liter Benzin benötigt und jede vierte Flasche hat per Zug, LKW oder Schiff eine Grenze passiert, bis du sie kaufst. Die Abgase und das ausgestoßene Kohlendioxid trägt zudem zur Umweltverschmutzung bei.
  • Wasserflaschen verbrauchen Wasser – aber nicht nur den Inhalt. Stattdessen verschlingt die Produktion der Flasche etwa dreimal so viel Wasser wie drin ist.
  • 120 Millionen Plastikflaschen werden in Europa pro Jahr benutzt. Die Hälfte davon wird recycelt, also eingeschmolzen und zum Beispiel zu Fleece weiterverarbeitet. Die andere Hälfte landet auf Müllkippen oder im Meer. Die Plastikabfälle in den Meeren sind eine riesige Umweltkatastrophe, deren Auswirkungen wir noch gar nicht abschätzen können.

Die Alternative wäre so einfach: Glas- oder Edelstahlflaschen immer mitnehmen. Leitungswasser kann in Deutschland ohne Sorge getrunken werden (und ist nach dem Mikroplastik-Skandal im gekauften Wasser wahrscheinlich sogar gesünder), Sprudel-Apparate machen aus Leitungswasser in wenigen Sekunden spritziges Kohlensäure Wasser.

 

 

 

  3. Sale, Sale, Sale schreit es aus den Läden – und wir greifen zu

Gefühlt ist ständig Sale. T-Shirts für drei Euro, Hosen für zehn. Und obwohl daheim oft mehr T-Shirt warten, als wir im Monat anziehen könnten, greifen wir zu. So ein Schnäppchen! Und die daheim, die sind verwaschen, passen nicht mehr so richtig, haben eine leicht andere Farbnuance und auch gar nicht so einen schönen Druck, wie das hier… Und es sind ja wirklich nur drei oder zehn oder auf jeden Fall echt wenig Euros.

Mit jedem neuen Kleidungsstück verbrauchen wir jede Menge Ressourcen (das wir dabei die Arbeitsbedingungen der Kleiderindustrie mit unterstützen behalten wir auch im Hinterkopf). Im Falle eines Baumwoll-Shirts ist es wieder vor allem Wasser, was verbraucht wird. Der WWF spricht in einer Studie vom virtuellen Wasserabdruck, den wir hinterlassen. Im Falle von Baumwolle sieht der so aus:

 

  • Baumwolle gehört zu den wasserintensivsten Nutzpflanzen. Für ein Kilo Baumwolle braucht es 11.000 Liter Wasser. Ein Großteil davon (41%) geht auf dem Weg zur Pflanze durch löchrige Bewässerung verloren oder verdunstet.
  • Die Böden und das Grundwasser werden durch Pestizide, Düngemittel oder andere Chemikalien vergiftet.
  • Der Transport kostet uns Umweltverschmutzungen durch Treibhausgase und Benzin, also die Ressource Öl.

Die Alternative wäre: Second-Hand T-Shirts kostet oft auch nur drei Euro. Und ob wir wirklich noch ein neues Kleidungsstück brauchen, sollten wir auch überdenken. (Kein Konsum ist der beste Konsum.)

 

 

4. Europas Fleisch frisst Südamerikas Regenwald

Fleisch braucht Fläche. Und zwar nicht nur die Tiere an sich (die ja meistens eher wenig Platz haben…), sondern deren Futter. Der Fleischkonsum ist in den letzten zwanzig Jahren deutlich gestiegen und mit ihm hat sich die Produktion von Soja als Futtermittel verdoppelt. Brasilien und die USA sind die weltweit größten Soja-Exporteure. Die Hälfte der Produktion wird exportiert. Ein Stück Fleisch hat einen ziemlichen Rattenschwanz an Ressourcen an sich dran kleben:

  • 40 % der Soja-Ernte aus Brasilien wird nach Europa verschifft, das kostet Benzin. Durch den Transport werden Giftstoffe in die Meere geleitet und Treibhausgase in die Luft gepustet.
  • 1,4 Millionen Hektar des Amazonas-Regenwald werden
    jährlich (!) für Weideflächen zerstört. Denn die Soja-Anbauflächen brauchen Platz, kosten aber mehr als Weideflächen. Also wird Regenwald durch Brandrodung zerstört und in neue Weideflächen umgewandelt.
  • 1 Kilogramm Soja braucht 1.800 Liter Wasser.
  • Rechnet man das an der Futtermenge hoch, die ein Rind in seinem Leben frisst, sind das 15.500 Liter Wasser pro Kilogramm Rindfleisch.

Die Alternative wäre sich vegetarisch zu ernähren. Oder zumindest (wie beim Kaffee) den Konsum reduzieren. Nur noch einmal die Woche, und dann genießen. Fleisch sollte etwas besonderes sein. Der komplette Verzicht ist natürlich noch besser, aber unfehlbar ist keiner von uns.

 

Zusammenfassung:

 

Konsumieren ja – schließlich müssen wir uns ja ernähren und auch die Tasse Kaffee als Genussmittel und besonderer Moment des Tages sollten wir uns gönnen. Aber in Hinblick auf die Ressourcen und unseren Planeten sollten wir mit Maß und Ziel konsumieren. Dabei sollten wir immer die Frage “Brauche ich das wirklich?”, im Hinterkopf behalten. Schließlich ist auch vor der Entscheidung Bio-Baumwoll Shirt oder normales Shirt kein Konsum trotzdem der beste Konsum. Und wenn wir uns für den Konsum entscheiden, dann mit Maß und Ziel. Nur weil viele Dinge so unglaublich günstig vom Geldwert her betrachtet erscheinen, heißt das nicht, dass sie es für die Umwelt auch sind.

Wir sollten also an beides denken: An unseren Geldbeutel und an unseren Planeten. Ausbeuten sollten wir keinen von beiden.

 

 



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